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Journal

Was Familie für mich bedeutet – und warum ich Unternehmer bin

Warum ich meinen Kindern zeigen möchte, dass man mit Unternehmertum etwas Gutes bewirken kann. Und warum Erfolg für mich nicht bedeutet, möglichst viel zu arbeiten.

Wenn mich jemand fragt, warum ich AMAMUS Vet aufgebaut habe und warum ich so viel Energie in die Verbreitung der coldPlasma-Technologie stecke, dann gibt es darauf zwei Antworten.

Die eine hat mit einer persönlichen Erfahrung zu tun, die inzwischen fast 20 Jahre zurückliegt. Die andere mit den wichtigsten Menschen in meinem Leben: meiner Familie.

Und beide hängen enger zusammen, als man zunächst vermuten würde.

Von Jan LangGeschäftsführer, AMAMUS Vet

Persönlicher Beitrag7 Min. Lesezeit

Ein Hundebiss, eine Penicillinallergie und viele Fragen

2009 wurde ich von unserem damaligen Hund gebissen. Die Verletzung musste in der Universitätsklinik Heidelberg versorgt werden. Ich bekam ein Antibiotikum und konnte anschließend wieder nach Hause.

In der Nacht begann plötzlich mein gesamter Körper zu jucken. Als ich am nächsten Morgen aufstand, war meine Haut von Kopf bis Fuß knallrot.

Also zurück in die Klinik.

Der behandelnde Professor erkannte sofort, was los war, holte seine Studenten dazu und sagte sinngemäß: „Schauen Sie sich das an. So sieht eine ausgeprägte Penicillinallergie aus.“

Offensichtlich war die Reaktion in dieser Intensität auch für die angehenden Mediziner ein interessantes Anschauungsbeispiel.

Für mich war es zunächst einmal ziemlich unangenehm.

Die Symptome verschwanden wieder. Aber die Erfahrung blieb.

Ich begann, mich intensiver mit Antibiotika auseinanderzusetzen. Dabei beschäftigte mich nicht nur die Frage nach möglichen Nebenwirkungen, sondern vor allem das Thema Antibiotikaresistenzen.

Wie entstehen Resistenzen? Warum verlieren Antibiotika ihre Wirksamkeit? Und vor allem: Gibt es Möglichkeiten, bestimmte Erkrankungen zu behandeln, ohne immer gleich auf Antibiotika zurückgreifen zu müssen?

Damals arbeitete ich bereits in der Medizintechnik, insbesondere in Bereichen der Chirurgie und Dentalchirurgie. Medizinische Innovationen und neue Behandlungsmethoden waren also ohnehin Teil meines beruflichen Alltags.

Später wechselte ich zu einem Unternehmen, das aus dem Fraunhofer-Institut hervorgegangen war und sich unter anderem mit innovativen Technologien und Möglichkeiten zur Reduktion des Antibiotikaeinsatzes beschäftigte.

Mich faszinierte zunehmend der Gedanke, dass wir mit neuen Technologien medizinische Probleme vielleicht ganz anders lösen können, als wir es über Jahrzehnte gewohnt waren.

2016 kam ich dann erstmals privat mit coldPlasma in Berührung.

Und je intensiver ich mich mit dieser Technologie beschäftigte, desto klarer wurde mir, welches Potenzial hier liegen könnte.

Nicht als Ersatz für die gesamte bisherige Medizin. Sondern als zusätzliche Möglichkeit, bestimmte Erkrankungen lokal zu behandeln und damit in geeigneten Fällen auf systemische Medikamente verzichten zu können.

Aus dieser Überzeugung ist schließlich mein heutiges unternehmerisches Engagement für AMAMUS Vet entstanden.

Unternehmertum kann mehr sein als Geldverdienen

Ich glaube fest daran, dass Unternehmen einen positiven gesellschaftlichen Wandel bewirken können.

Natürlich muss ein Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich sein. Es muss seine Mitarbeiter bezahlen, investieren, wachsen und Gewinne erwirtschaften.

Aber warum sollte das im Widerspruch dazu stehen, etwas Gutes zu tun?

Im Gegenteil.

Ich finde die Vorstellung großartig, dass man mit einer wirtschaftlich erfolgreichen Idee gleichzeitig einen gesellschaftlichen Beitrag leisten kann.

Bei AMAMUS Vet ist das für mich die Möglichkeit, Tierärzten und Tierbesitzern neue Behandlungsoptionen an die Hand zu geben und dadurch den Einsatz von Antibiotika dort zu reduzieren, wo es medizinisch sinnvoll und verantwortbar ist.

Jede unnötige Antibiotikagabe, die vermieden werden kann, ist aus meiner Sicht ein kleiner Erfolg.

Und wenn es gelingt, eine Technologie so einfach und zugänglich zu machen, dass sie von immer mehr Menschen eingesetzt werden kann, dann entsteht aus vielen kleinen Erfolgen irgendwann eine größere Veränderung.

Genau das begeistert mich am Unternehmertum.

Man kann eine Idee haben, von ihr überzeugt sein, andere Menschen dafür gewinnen und schließlich erleben, wie aus dieser Idee etwas entsteht, das tatsächlich einen Unterschied macht.

Und man darf damit auch Geld verdienen.

Ich finde, das ist kein Widerspruch. Es ist sogar eine wichtige Voraussetzung dafür, dass gute Ideen langfristig bestehen und sich verbreiten können.

Was ich meinen Kindern mitgeben möchte

Damit komme ich zum eigentlich wichtigsten Punkt.

Meiner Familie.

Ich möchte meinen Kindern ein Vorbild sein.

Nicht unbedingt, indem ich ihnen zeige, wie man möglichst viel Geld verdient oder ein möglichst großes Unternehmen aufbaut.

Sondern indem ich ihnen vorlebe, dass man Dinge verändern kann, wenn man von etwas überzeugt ist.

Dass man nicht alles einfach hinnehmen muss, nur weil es schon immer so gemacht wurde.

Dass es sich lohnt, Fragen zu stellen, bestehende Lösungen zu hinterfragen und auch einmal einen anderen Weg einzuschlagen.

Und dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung sehr gut zusammenpassen können.

Ich möchte, dass meine Kinder später einmal sagen können: Unser Papa hat an etwas geglaubt und versucht, damit etwas Positives zu bewirken.

Ob sie irgendwann selbst Unternehmer werden, ist mir dabei völlig egal.

Viel wichtiger ist mir, dass sie den Mut entwickeln, ihren eigenen Weg zu gehen und für das einzustehen, was ihnen wichtig ist.

Aber genau hier beginnt für mich auch ein ziemlicher Widerspruch.

Was nützt es, ein Vorbild zu sein, wenn man nie da ist?

Wer schon einmal versucht hat, eine neue Technologie in einem etablierten Markt durchzusetzen, weiß, wie unglaublich viel Arbeit dahintersteckt.

Man muss Menschen überzeugen, erklären, diskutieren, Rückschläge verkraften, neue Lösungen finden und immer wieder von vorne anfangen.

Gerade in der Medizin, wo Veränderungen aus guten Gründen oft langsam stattfinden, ist das eine echte Mammutaufgabe.

Wenn ich wollte, könnte ich problemlos sieben Tage die Woche von morgens bis abends arbeiten.

Und selbst dann wäre noch genügend zu tun.

Aber wäre ich damit wirklich das Vorbild, das ich für meine Kinder sein möchte?

Ich glaube nicht.

Denn was würden meine Kinder daraus lernen?

Dass man für seine Überzeugungen zwar kämpfen soll, aber dafür die Menschen vernachlässigen muss, die einem am wichtigsten sind?

Dass Erfolg bedeutet, ständig erreichbar zu sein und für die Familie keine Zeit mehr zu haben?

Das wäre genau das Gegenteil dessen, was ich ihnen vermitteln möchte.

Wenn ich meinen Kindern zeigen möchte, wie man ein erfülltes Leben führt, dann muss ich dieses Leben auch selbst führen.

Und dazu gehört für mich ganz selbstverständlich, Zeit mit meiner Familie zu verbringen.

Nicht irgendwann, wenn das Unternehmen groß genug ist.

Nicht erst, wenn die nächste Entwicklungsstufe abgeschlossen ist.

Sondern jetzt, während meine Kinder aufwachsen.

Denn diese Zeit kommt nicht zurück.

Deshalb habe ich mein Unternehmen auch um mein Leben herum organisiert

Ich versuche ganz bewusst, meinen beruflichen Alltag so zu gestalten, dass beides möglich ist.

Unternehmerisch etwas zu bewegen und gleichzeitig als Vater präsent zu sein.

Das beginnt schon morgens.

Wir frühstücken gemeinsam, ich begleite die Kinder zur Schule und gehe mit unserem Hund Bogy spazieren.

Natürlich nutze ich diese Zeit auch schon, um erste E-Mails zu lesen, mich auf Termine vorzubereiten oder Telefonate zu führen.

Spätestens gegen neun Uhr sitze ich am Schreibtisch. Dann folgen Kundengespräche, Videokonferenzen, strategische Entscheidungen und all die großen und kleinen Aufgaben, die ein Unternehmen mit sich bringt.

Mir ist es wichtig, dass unsere Kunden mich persönlich erreichen können. Deshalb habe ich AMAMUS Vet bewusst so organisiert, dass ich mir diese Zeit nehmen kann.

Gleichzeitig versuche ich aber auch, meinen Arbeitstag nicht ausschließlich danach auszurichten, was das Unternehmen gerade alles von mir verlangt.

Das gelingt natürlich nicht immer.

Es gibt Messen, Reisen, lange Arbeitstage und Phasen, in denen einfach unglaublich viel gleichzeitig passiert.

Aber ich versuche, die Balance nicht aus den Augen zu verlieren.

Denn ich möchte nicht irgendwann feststellen, dass ich zwar ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut, aber die Kindheit meiner Kinder größtenteils verpasst habe.

Habe ich die richtige Balance gefunden?

Ich glaube schon.

Wobei das vermutlich nicht alle Beteiligten genauso sehen.

Wenn ich meine Kinder frage, würden sie wahrscheinlich sagen, dass Papa ruhig noch etwas mehr Zeit mit ihnen verbringen könnte.

Wenn ich mein Unternehmen fragen könnte, würde es vermutlich antworten, dass ich deutlich mehr arbeiten müsste.

Und ich?

Ich glaube, genau dazwischen liegt für mich der richtige Weg.

Denn es geht nicht darum, immer allen Anforderungen gerecht zu werden. Das funktioniert ohnehin nicht.

Es geht darum, bewusst zu entscheiden, was einem wirklich wichtig ist.

Ich möchte unternehmerisch erfolgreich sein. Ich möchte dazu beitragen, dass moderne Technologien ihren Weg in die Tiermedizin finden. Ich möchte mit AMAMUS Vet etwas Positives bewirken.

Aber ich möchte genauso mit meinen Kindern lachen, Zeit verbringen, sie aufwachsen sehen und für sie da sein.

Beides gehört für mich untrennbar zusammen.

Und deshalb habe ich für mich inzwischen eine ziemlich einfache Definition von einer gelungenen Work-Life-Balance gefunden:

Wenn meine Kinder sagen, ich arbeite zu viel, und mein Unternehmen sagt, ich arbeite zu wenig, dann habe ich vermutlich ziemlich viel richtig gemacht.