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Journal

Familie und Unternehmertum – Warum ich nicht an die klassische Work-Life-Balance glaube

Immer wieder werde ich gefragt, wie ich es schaffe, Familie und Unternehmertum unter einen Hut zu bringen.

Meine Antwort darauf ist vielleicht etwas ungewöhnlich: Ich glaube, dass das ganze Leben ein ständiger Spagat ist. Zwischen unterschiedlichen Leidenschaften, Interessen, Verpflichtungen und Menschen, die uns wichtig sind.

Und dieser Spagat verschwindet auch nicht, wenn man kein Unternehmer ist.

Der entscheidende Unterschied liegt für mich darin, wer darüber bestimmt, zwischen welchen Interessen ich abwägen muss.

Als Angestellter muss ich neben meinen eigenen Wünschen und den Bedürfnissen meiner Familie zwangsläufig auch die Interessen meines Arbeitgebers berücksichtigen. Arbeitszeiten, Urlaubsplanung, berufliche Prioritäten – vieles wird zumindest teilweise von außen bestimmt.

Als Unternehmer ist das anders.

Natürlich gibt es Kunden, Mitarbeiter, Geschäftspartner und wirtschaftliche Verpflichtungen. Auch ich kann nicht einfach jeden Tag machen, worauf ich gerade Lust habe.

Aber ich habe die Freiheit, meine Prioritäten selbst zu setzen.

Und das empfinde ich als unglaubliches Privileg.

Von Jan LangGeschäftsführer, AMAMUS Vet

Persönlicher Beitrag4 Min. Lesezeit

Wenn Arbeit selbst eine Leidenschaft ist

Ich glaube, ein wesentlicher Denkfehler in der Diskussion um Work-Life-Balance liegt darin, dass Arbeit und Leben häufig als Gegensätze betrachtet werden.

Als wäre Arbeit etwas, das wir möglichst schnell hinter uns bringen müssen, um anschließend endlich leben zu können.

Für mich funktioniert das nicht so.

Ich liebe meine Familie. Ich verbringe gerne Zeit mit meinen Kindern. Ich genieße die morgendlichen Spaziergänge mit unserem Hund Bogi.

Aber ich liebe auch das, was ich beruflich tue.

Mit AMAMUS Vet möchte ich etwas verändern. Ich möchte dazu beitragen, dass wir in der Tiermedizin neue Wege gehen, lokale Behandlungsmöglichkeiten stärker nutzen und Antibiotika dort einsparen, wo sie nicht notwendig sind.

Das ist für mich nicht einfach ein Job. Es ist eine Überzeugung, für die ich mich gerne engagiere.

Warum sollte ich also versuchen, diese Leidenschaft möglichst strikt von meinem übrigen Leben zu trennen?

Freiheit bedeutet nicht, weniger zu arbeiten

Mein Tag beginnt normalerweise gegen sechs Uhr morgens.

Wir machen die Kinder fertig, kochen Kaffee und frühstücken gemeinsam. Gegen halb acht geht es mit den Kindern zur Schule und anschließend mit Bogy auf eine ausgedehnte Gassirunde.

Diese Zeit nutze ich durchaus auch beruflich. Ich lese die ersten E-Mails, bereite mich gedanklich auf Termine vor oder führe bereits erste Telefonate.

Spätestens gegen neun sitze ich am Schreibtisch.

Danach folgen Kundengespräche, Videokonferenzen, strategische Entscheidungen und die vielen kleinen und großen Aufgaben, die zum Unternehmertum gehören.

Ich arbeite sicherlich nicht weniger als viele Angestellte. Vermutlich eher mehr.

Aber ich kann meinen Tag weitgehend so organisieren, wie ich es für richtig halte.

Und genau darin liegt für mich der Unterschied.

Es geht nicht um die perfekte Balance

Natürlich gibt es auch bei mir Situationen, in denen unterschiedliche Leidenschaften miteinander konkurrieren.

Ein spannendes berufliches Projekt kann genauso viel Aufmerksamkeit verlangen wie ein gemeinsamer Familienausflug.

Manchmal muss ich entscheiden, was gerade wichtiger ist.

Und manchmal fällt diese Entscheidung schwer.

Aber ich empfinde diesen Konflikt nicht grundsätzlich als etwas Negatives.

Wenn ich zwischen zwei Dingen entscheiden muss, die mir beide am Herzen liegen, ist das doch eigentlich eine ziemlich schöne Ausgangssituation.

Das bedeutet nicht, dass immer alles gelingt. Es bedeutet nur, dass ich die Freiheit habe, diese Entscheidungen selbst zu treffen und ihre Konsequenzen zu tragen.

Was ich meinen Kindern mitgeben möchte

Mir ist wichtig, dass meine Kinder nicht mit dem Gedanken aufwachsen, Arbeit sei vor allem eine lästige Pflicht, die man erfüllen muss, um sich das eigentliche Leben leisten zu können.

Ich möchte ihnen zeigen, dass man mit Begeisterung, Eigeninitiative und einer eigenen Überzeugung etwas bewegen kann.

Dass es sich lohnt, Dinge zu hinterfragen.

Dass man nicht jeden bestehenden Weg einfach akzeptieren muss.

Und dass beruflicher Erfolg nicht ausschließlich an Geld oder Status gemessen werden sollte, sondern auch daran, ob man etwas Sinnvolles tut.

Natürlich sollen meine Kinder später ihren ganz eigenen Weg gehen.

Aber wenn sie eines von mir mitnehmen, dann hoffentlich die Überzeugung, dass sie ihr Leben aktiv gestalten können.

Mein Fazit: Nicht weniger Leidenschaft, sondern mehr Selbstbestimmung

Ich glaube nicht, dass es eine perfekte Work-Life-Balance gibt.

Das Leben ist zu vielfältig, unsere Interessen sind zu unterschiedlich und unsere Leidenschaften verändern sich ständig.

Für mich ist Unternehmertum deshalb nicht die Ursache eines zusätzlichen Spagats zwischen Beruf und Familie.

Es ist vielmehr die Möglichkeit, diesen Spagat weitgehend selbst zu gestalten.

Und vielleicht ist genau das für mich die größte Freiheit am Unternehmertum: Nicht zwischen Arbeit und Leben wählen zu müssen, sondern beides als Teil eines erfüllten Lebens betrachten zu können.