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Anwendung & Praxis

Kaltes Plasma bei schwer heilenden Pferdewunden

Bei Pferden hat die Wundversorgung für uns einen besonders hohen Stellenwert. Das sehen wir in unseren Gesprächen und Erfahrungen im Markt: Während es im Kleintierbereich häufig um Haut- und Ohrenprobleme oder Anwendungen im Maul geht, stehen beim Pferd vor allem Wunden und Mauke im Vordergrund. Gerade Wunden an den Beinen können langwierige Verläufe nehmen. Hier sehen wir einen wichtigen Einsatzbereich für kaltes Plasma als Ergänzung der tierärztlichen Versorgung.

Von Jan LangGeschäftsführer, AMAMUS Vet

Fachbeitrag4 Min. Lesezeit

Warum Wunden am Pferdebein schwierig heilen

Viele problematische Pferdewunden liegen an den unteren Gliedmaßen. Dort ist die Haut wenig verschieblich, es gibt wenig schützendes Weichteilgewebe, und die Wundränder stehen unter Spannung. Dazu kommt die Bewegung: Mit jedem Schritt wird das Gewebe erneut belastet. Die Nähe zum Boden begünstigt außerdem Verschmutzungen.

Die schwierige Heilung lässt sich deshalb nicht allein auf Hautspannung zurückführen. Auch eine anhaltende Entzündungsreaktion und die begrenzte Fähigkeit der Wunde, sich zusammenzuziehen, spielen eine Rolle. Dadurch kann der Wundverschluss deutlich länger dauern als an anderen Körperstellen. [1]

Wenn Granulationsgewebe überschießt

Granulationsgewebe wird benötigt, um einen Gewebedefekt aufzufüllen. Beim Pferd kann es jedoch über das Hautniveau hinauswachsen. Diese Hypergranulation wird umgangssprachlich auch als „wildes Fleisch“ bezeichnet. Sie erschwert es der neuen Haut, vom Wundrand über die Wundfläche zu wachsen.

In der Versorgung begegnen uns deshalb häufig mehrere Probleme gleichzeitig: eine langsam heilende Wunde, überschießendes Gewebe und viel Wundflüssigkeit, das sogenannte Exsudat. Anhaltende Reizung und eine mikrobielle Belastung können den Verlauf zusätzlich erschweren.

Warum die Wunde Exsudat bildet

In der frühen Entzündungsphase, auch Exsudationsphase genannt, gehört Wundflüssigkeit zur natürlichen Abwehr- und Reinigungsreaktion. Die kleinen Blutgefäße werden durchlässiger, sodass Flüssigkeit und Eiweiße ins Wundgebiet gelangen; zugleich wandern Abwehrzellen ein. Diese beseitigen Bakterien und Zelltrümmer. Die Wundflüssigkeit unterstützt die Reinigung und den Abtransport von Abbauprodukten und kleinen Fremdpartikeln. Sie schafft außerdem ein feuchtes Milieu, in dem Zellen wandern und an der Heilung mitwirken können. [2]

Die Exsudation erfüllt damit zunächst eine wichtige Aufgabe. Bleiben Keime, geschädigtes Gewebe oder andere Reize bestehen, kann die Entzündungsreaktion anhalten und die Wunde weiter stark nässen. Werden diese Auslöser durch Reinigung und eine wirksame Behandlung zurückgedrängt, kann die Exsudatmenge abnehmen und der Aufbau von Granulationsgewebe voranschreiten. Eine heilende Wunde braucht weiterhin ein ausgewogenes feuchtes Milieu; weniger Exsudat bedeutet daher nicht, dass jede Flüssigkeitsbildung aufhört. [2]

Welche Rolle kaltes Plasma dabei spielt

Aus der Anwendung von kaltem Plasma bekommen wir dazu eine konkrete Rückmeldung: Anwender berichten, dass die Wunden nach Behandlungsbeginn noch wenige Tage deutlich Exsudat abgeben. Danach hört das starke Nässen in den geschilderten Verläufen auf, während die Granulation voranschreitet. Das passt zu einem Rückgang der anhaltenden Entzündungsreaktion nach erfolgreicher Wundreinigung und Keimkontrolle. Es ist eine Beobachtung aus der Praxis; allein aus weniger Exsudat lässt sich nicht sicher ableiten, dass sämtliche Keime, auch im Gewebe, beseitigt sind.

In unseren bisherigen Anwendungserfahrungen haben wir unter einer Versorgung mit kaltem Plasma selten eine neu auftretende Hypergranulation gesehen. Auch bei bereits überschießendem Gewebe haben wir wiederholt Rückbildungen beobachtet. Das sind Beobachtungen aus der Anwendung, aus denen sich noch nicht ableiten lässt, wie häufig dieser Effekt auftritt oder welchen Anteil Plasma gegenüber den begleitenden Maßnahmen hat.

Für uns steht dabei das Ziel im Vordergrund, die lokale Keimbelastung und anhaltende Reizung zu verringern und einen geordneten Heilungsverlauf zu unterstützen. Die Wirkung lässt sich jedoch nicht auf „mehr Zellen und damit weniger Hautspannung“ verkürzen. Ebenso kann man nicht pauschal versprechen, dass kaltes Plasma tiefer liegende Infektionsherde erreicht.

Warum wir Superabsorber ergänzen

Bei stark nässenden Wunden kombinieren wir die Anwendung gerne mit einer Superabsorber-Wundauflage. Diese nimmt überschüssiges Exsudat auf und bindet es. Damit lässt sich die Wundflüssigkeit besser handhaben und die umgebende Haut vor dauerhafter Nässe schützen. Die Auflage und die Wechselintervalle müssen zum jeweiligen Wundzustand passen.

Kaltes Plasma ist für uns damit ein Baustein innerhalb einer abgestimmten Wundversorgung. Reinigung, gegebenenfalls die Entfernung geschädigten oder überschießenden Gewebes, ein geeigneter Verband und die tierärztliche Verlaufskontrolle bleiben entscheidend. Gerade am Pferdebein muss die Behandlung auch die mechanische Belastung berücksichtigen.

Quellen zur fachlichen Einordnung

[1] Textor et al. (2018). Allogeneic Stem Cells Alter Gene Expression and Improve Healing of Distal Limb Wounds in Horses. Experimentelle Studie; herangezogen zur Wundheilungsproblematik am Pferdebein.

https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5746157/

[2] World Union of Wound Healing Societies (2026). Wound exudate: Effective assessment and management. Updated Second Edition. Konsensus zur allgemeinen Funktion und Versorgung von Wundexsudat; kein Wirksamkeitsnachweis für Plasma beim Pferd.

https://woundsinternational.com/world-union-resources/wound-exudate-effective-assessment-and-management-updated-second-edition/