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Anwendung & Praxis

Ohrpflege beim Hund: Warum Reinigung und Therapie zwei unterschiedliche Dinge sind

Ein sauberes Ohr ist nicht automatisch ein gesundes Ohr. Und ein entzündetes Ohr braucht häufig mehr als nur eine gründliche Reinigung.

Wer sich mit der Ohrgesundheit von Hunden beschäftigt, stößt schnell auf eine Vielzahl von Ohrreinigern, Pflegemitteln und medizinischen Präparaten. Dabei wird häufig etwas übersehen: Die Reinigung des Gehörgangs und die Behandlung einer Ohrentzündung verfolgen unterschiedliche Ziele.

Diese Unterscheidung ist wichtig. Denn aus meiner Sicht beginnt eine erfolgreiche Behandlung nicht mit der Frage, welches Medikament wir einsetzen, sondern damit, was im Ohr tatsächlich passiert und welche Maßnahmen notwendig sind.

Von Jan LangGeschäftsführer, AMAMUS Vet

Fachbeitrag7 Min. Lesezeit

Das Hundeohr ist kein einfacher Hohlraum

Der äußere Gehörgang des Hundes ist anatomisch anders aufgebaut als der des Menschen. Er verläuft zunächst annähernd senkrecht und knickt anschließend in einen horizontalen Abschnitt ab, der bis zum Trommelfell führt.

Diese Anatomie erschwert die natürliche Belüftung und kann dazu beitragen, dass sich Feuchtigkeit, Ohrenschmalz und andere Ablagerungen ansammeln.

Hinzu kommen individuelle Unterschiede: Hunde mit stark behaarten Gehörgängen, engen Gehörkanälen oder bestimmten anatomischen Besonderheiten können anfälliger für Ohrprobleme sein.

Allerdings bedeutet das nicht, dass jedes Hundeohr regelmäßig gereinigt werden muss. Ein gesundes Ohr verfügt über eigene Reinigungsmechanismen. Unnötige oder übermäßige Reinigung kann diese sogar beeinträchtigen.

Die erste Frage sollte deshalb immer lauten: Muss dieses Ohr überhaupt gereinigt werden?

Was eine Ohrreinigung leisten kann – und was nicht

Bei einer mechanischen Ohrreinigung geht es zunächst darum, überschüssiges Ohrenschmalz, Sekrete, Schmutz und andere Ablagerungen aus dem äußeren Gehörgang zu entfernen.

Das ist insbesondere dann wichtig, wenn sich größere Mengen an Material angesammelt haben.

Denn diese Ablagerungen können nicht nur die Untersuchung erschweren, sondern auch verhindern, dass anschließend eingesetzte Präparate die betroffenen Oberflächen ausreichend erreichen.

Eine gründliche, schonende Reinigung kann deshalb eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche lokale Therapie sein.

Aber: Eine Ohrreinigung beseitigt nicht automatisch die Ursache einer Entzündung.

Wenn beispielsweise eine Allergie dazu führt, dass die Haut im Gehörgang immer wieder entzündlich reagiert, lässt sich dieses Problem nicht einfach wegspülen.

Ebenso wenig kann eine mechanische Reinigung allein in jedem Fall eine bestehende bakterielle oder durch Hefepilze verursachte Infektion ausreichend behandeln.

Reinigung schafft die Voraussetzungen. Therapie behandelt das eigentliche Problem.

Warum Hunde immer wieder Ohrentzündungen bekommen

Aus unserer Erfahrung spielt gerade bei wiederkehrenden Ohrentzündungen die zugrunde liegende Hautgesundheit eine entscheidende Rolle.

Viele Hunde mit chronischer Otitis externa leiden gleichzeitig unter allergischen Hauterkrankungen.

Dabei können sich allergische Reaktionen an ganz unterschiedlichen Körperstellen bemerkbar machen.

Bei einem Hund entstehen entzündete Pfoten und eine Pododermatitis. Ein anderer entwickelt wiederkehrende Hotspots oder Leckekzeme. Und bei einem dritten äußert sich die allergische Grunderkrankung vor allem durch entzündete Gehörgänge.

Das eigentliche Problem ist dann nicht allein das Ohr, sondern die zugrunde liegende Erkrankung.

Diese Zusammenhänge sind entscheidend, wenn wir verstehen wollen, warum manche Hunde immer wieder behandelt werden müssen.

Eine lokale Ohrtherapie kann die allergische Grunderkrankung nicht beseitigen. Sie kann aber dazu beitragen, die entzündlichen und mikrobiellen Folgeprobleme im Gehörgang zu kontrollieren.

Und genau hier sehe ich ein großes Potenzial für moderne lokale Therapieverfahren.

Muss eine Ohrentzündung immer mit Antibiotika oder Antimykotika behandelt werden?

Nein. Aber genauso wenig wäre es richtig, grundsätzlich auf diese Wirkstoffe zu verzichten.

Entscheidend ist der konkrete Befund.

Bei einer Otitis externa können Bakterien oder Hefepilze beteiligt sein. Allerdings bedeutet der Nachweis solcher Mikroorganismen nicht automatisch, dass eine systemische Antibiotikatherapie erforderlich ist.

Die Untersuchung des Gehörgangs und insbesondere eine zytologische Untersuchung können helfen, die Situation besser einzuschätzen und die Behandlung gezielt auszuwählen.

Aus meiner Sicht sollten wir uns deshalb viel häufiger fragen, ob wir das Problem direkt dort behandeln können, wo es entsteht.

Warum sollten wir den gesamten Organismus mit einem systemisch verabreichten Wirkstoff belasten, wenn sich eine Erkrankung möglicherweise lokal und ausreichend wirksam behandeln lässt?

Das bedeutet nicht, dass systemische Medikamente grundsätzlich falsch sind. Es bedeutet, dass wir sie dort einsetzen sollten, wo sie tatsächlich notwendig sind.

Local first – Rx second.

Diese Überzeugung ist ein wesentlicher Antrieb unserer Arbeit bei AMAMUS Vet.

Unser Ansatz: Erst reinigen, dann gezielt lokal behandeln

Bei AMAMUS Vet haben wir ein dreistufiges Behandlungskonzept entwickelt, das Reinigung, ColdPlasma und anschließende Pflege miteinander verbindet.

Der Grundgedanke ist einfach: Jede Maßnahme hat eine eigene Aufgabe.

1. RINSE – mechanische Reinigung

Mit AMAMUS Vet RINSE werden Sekrete, Schmutz und Ablagerungen durch Spülung aus dem Gehörgang entfernt.

RINSE ist eine gebrauchsfertige, elektrochemisch hergestellte Lösung zur mechanischen Reinigung von Haut, Wunden und Gehörgang.

Damit schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass die nachfolgende Behandlung die betroffenen Oberflächen möglichst gut erreichen kann.

Gerade bei stark verschmutzten Ohren ist dieser erste Schritt aus unserer Sicht besonders wichtig.

2. ViroCap – lokale ColdPlasma-Therapie

Nach der Reinigung kommt unsere ColdPlasma-Technologie zum Einsatz.

Das Besondere an unserem ViroCap ist, dass wir die reaktiven Sauerstoff- und Stickstoffspezies (ROS/RNS) mithilfe eines Gasstroms auch in schwer zugängliche Bereiche wie den Gehörgang einbringen können.

Diese reaktiven Spezies sind ein wesentlicher Bestandteil der biologischen Wirkung von ColdPlasma. Sie können Mikroorganismen schädigen und beeinflussen zugleich verschiedene zelluläre Prozesse.

Bei der Behandlung des Ohres ist für uns ein weiterer Aspekt besonders wichtig: Die Anwendung erfolgt kontaktlos und ohne mechanische Reizung des entzündeten Gewebes.

Gerade bei einem schmerzhaften, empfindlichen Gehörgang ist das ein erheblicher praktischer Vorteil.

Unsere übliche Anwendungsdauer liegt bei etwa drei Minuten pro Ohr.

In der Praxis beobachten unsere Anwender bei unterschiedlichen Formen der Otitis externa vielversprechende Behandlungsergebnisse, häufig auch ohne den zusätzlichen Einsatz antibiotischer oder antimykotischer Präparate.

Diese Praxiserfahrungen sind für uns ein wichtiger Antrieb. Sie ersetzen allerdings keine kontrollierten klinischen Untersuchungen zur Wirksamkeit bei den jeweiligen Erkrankungsformen.

3. EARDROPS – anschließende Pflege

Nach der ColdPlasma-Anwendung kann die Pflege der beanspruchten Haut im Gehörgang sinnvoll sein.

Dafür haben wir unsere EARDROPS mit einem Advanced Hyaluron Complex entwickelt.

Hyaluronsäure ist für ihre feuchtigkeitsbindenden Eigenschaften bekannt und kann die Pflege empfindlicher Haut unterstützen.

Die EARDROPS sind dabei kein Ersatz für eine erforderliche medikamentöse Therapie, sondern Bestandteil unseres lokalen Pflegekonzeptes.

Warum wir die einzelnen Schritte bewusst trennen

Man könnte natürlich fragen, warum wir nicht einfach ein einziges Produkt verwenden, das reinigt, Keime reduziert und gleichzeitig pflegt.

Unsere Antwort ist einfach: Weil diese Aufgaben nicht identisch sind.

Eine Reinigungslösung soll Ablagerungen entfernen. Die ColdPlasma-Anwendung verfolgt das Ziel, lokal auf Mikroorganismen und Gewebeprozesse einzuwirken. Ein Pflegepräparat wiederum soll die Haut anschließend unterstützen.

Indem wir diese Funktionen voneinander trennen, können wir die einzelnen Schritte dem jeweiligen Befund anpassen.

Ein leicht verschmutztes, ansonsten gesundes Ohr braucht möglicherweise nur eine schonende Reinigung – oder überhaupt keine Maßnahme.

Ein entzündetes Ohr mit mikrobieller Beteiligung benötigt dagegen eine gezielte Behandlung.

Und bei einer schweren oder komplizierten Otitis, beispielsweise mit Verdacht auf eine Beteiligung des Mittelohres, sind weiterführende Diagnostik und gegebenenfalls weitere therapeutische Maßnahmen erforderlich.

Gerade deshalb halte ich wenig von pauschalen Behandlungsschemata, die unabhängig vom konkreten Befund immer dieselben Maßnahmen vorsehen.

Die richtige Behandlung beginnt mit der richtigen Diagnose

Bei aller Begeisterung für unsere Technologie möchte ich einen Punkt ausdrücklich betonen: Nicht jede Ohrentzündung ist gleich.

Eine Otitis externa kann unterschiedliche Ursachen und begünstigende Faktoren haben. Allergien, Fremdkörper, Parasiten, anatomische Veränderungen und verschiedene mikrobielle Beteiligungen müssen unterschiedlich bewertet werden.

Auch der Zustand des Trommelfells spielt eine wichtige Rolle bei der Auswahl geeigneter Reinigungs- und Behandlungsmethoden.

Insbesondere bei starken Schmerzen, Kopfschiefhaltung, Gleichgewichtsstörungen, eitrigem Ausfluss oder wiederkehrenden Beschwerden gehört die Untersuchung in tierärztliche Hände.

Unser Ziel ist es nicht, notwendige Diagnostik oder bewährte medizinische Behandlungen zu ersetzen.

Unser Ziel ist es, die Möglichkeiten der lokalen Therapie zu erweitern und dort, wo es medizinisch sinnvoll ist, den Einsatz von Antibiotika und anderen Arzneimitteln zu reduzieren.

Mein Fazit: Ein gesundes Ohr braucht mehr als einen guten Ohrreiniger

Für mich zeigt die Ohrgesundheit besonders anschaulich, warum wir Reinigung, Therapie und Pflege konsequent unterscheiden sollten.

Die Reinigung ist häufig eine wichtige Vorbereitung, aber nicht automatisch die Behandlung.

Die Behandlung sollte möglichst gezielt an der betroffenen Stelle erfolgen und sich am tatsächlichen Befund orientieren.

Und die anschließende Pflege kann helfen, die empfindliche Haut des Gehörgangs zu unterstützen.

Mit unserem dreistufigen AMAMUS Vet System möchten wir Tierärzten genau dafür ein einfaches, vielseitiges Werkzeug an die Hand geben.

Denn unser Ziel ist nicht, möglichst viele Produkte oder Medikamente einzusetzen.

Unser Ziel ist es, mit möglichst wenig Belastung für das Tier ein möglichst gutes Behandlungsergebnis zu erreichen.

Und manchmal beginnt das bereits mit einer ganz einfachen Erkenntnis:

Ein sauberes Ohr ist noch kein gesundes Ohr.

Weiterführender Artikel: Otitis externa beim Hund – Welche Möglichkeiten bietet die lokale ColdPlasma-Therapie?

Hinweis: Bei Verdacht auf eine Ohrentzündung sollte eine tierärztliche Untersuchung erfolgen. Die Eignung von Spüllösungen und lokalen Anwendungen hängt unter anderem vom Zustand des Gehörgangs und des Trommelfells ab.