Otitis externa beim Hund: Warum ColdPlasma einen entscheidenden Unterschied machen kann
Ohrentzündungen gehören zu den häufigsten und hartnäckigsten Problemen in der tierärztlichen Praxis. Gerade bei allergischen Hunden treten sie immer wieder auf. Doch müssen wir deshalb bei jeder erneuten Entzündung wieder auf Antibiotika oder Antimykotika zurückgreifen?
Ich bin überzeugt, dass wir mit ColdPlasma einen anderen Weg einschlagen können.
Die eigentliche Ursache liegt häufig nicht im Ohr
Viele Hunde mit wiederkehrenden Haut- und Ohrproblemen haben eines gemeinsam: eine allergische Grunderkrankung. Wie sich diese äußert, ist von Tier zu Tier unterschiedlich.
Bei einem Hund sind vor allem die Pfoten betroffen. Er leckt und knabbert daran, die Haut entzündet sich und es entsteht eine Pododermatitis. Bei einem anderen zeigen sich entzündliche Hautveränderungen, beispielsweise Hotspots. Und bei einem dritten manifestiert sich die Allergie vor allem im Gehörgang. Die Folge kann eine wiederkehrende Otitis externa sein.
Die Allergie selbst können wir mit ColdPlasma nicht beseitigen. Und das behaupten wir auch nicht.
Was wir aber beeinflussen können, sind ihre lokalen Folgen: insbesondere die häufig damit verbundene übermäßige Vermehrung von Bakterien und Hefepilzen und die daraus entstehenden Entzündungen.
Genau hier setzt unsere Technologie an.
Das Problem bei der Behandlung: Der Gehörgang ist kein glattes Rohr
Um den besonderen Vorteil von ColdPlasma zu verstehen, muss man sich zunächst die Anatomie des Gehörgangs ansehen.
Der Gehörgang ist kein glattes, gerades Rohr. Er ist abgewinkelt und besitzt Hautfalten, Vertiefungen, Drüsen und Haarfollikel. Gerade bei chronischen Entzündungen können zusätzliche Veränderungen wie Verdickungen und Verengungen entstehen. In diesen Strukturen können sich Mikroorganismen wie Malassezien, Staphylokokken oder Pseudomonaden ansiedeln.
Klassische lokale Ohrmedikamente werden üblicherweise als Flüssigkeit, Suspension oder Gel eingebracht. Diese Präparate müssen sich im Gehörgang verteilen und ausreichend Kontakt zu den betroffenen Oberflächen bekommen.
Dabei spielen die Beschaffenheit des Präparats, die Oberflächenspannung, vorhandenes Sekret, die Anatomie und die Anwendungstechnik eine wichtige Rolle.
Viele pharmazeutische Wirkstoffe können zwar auch über die unmittelbar benetzte Oberfläche hinaus wirken. Ob sie jedoch in jedem Fall eine ausreichende Wirkstoffkonzentration erreichen, um beispielsweise tief in Hautfalten sitzende Bakterien zuverlässig abzutöten, ist fraglich.
Dass wir gerade in chronisch entzündeten und wiederholt antibiotisch behandelten Hundeohren immer wieder resistente Bakterien finden, macht deutlich, wie problematisch diese Situation werden kann. Dabei können sowohl wiederholte Antibiotikagaben als auch andere Faktoren zur Selektion resistenter Erreger beitragen.
Und genau hier sehe ich einen der spannendsten Unterschiede zur ColdPlasma-Technologie.
ColdPlasma: Wenn reaktive Spezies gasförmig in den Gehörgang gelangen
Bei unserer ViroCap-Technologie erzeugen wir ColdPlasma aus der Umgebungsluft. Dabei entstehen unter anderem reaktive Sauerstoff- und Stickstoffspezies, sogenannte ROS und RNS, zusammen als RONS bezeichnet.
Diese reaktiven Spezies können unterschiedliche mikrobielle Strukturen angreifen und dadurch Bakterien und Hefepilze inaktivieren. Anders als bei klassischen Antibiotika beruht die antimikrobielle Wirkung nicht auf einem einzelnen pharmazeutischen Wirkstoff mit einem spezifischen Angriffspunkt.
Der für mich entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Art der Anwendung.
Wir bringen keine Flüssigkeit in den Gehörgang ein, sondern erzeugen reaktive Spezies, die sich gasförmig im Gehörgang verteilen können.
Gasförmige Moleküle können sich aufgrund ihrer geringen Größe und ihrer physikalischen Eigenschaften anders in komplexen Hohlräumen verteilen als Flüssigkeiten. Sie sind nicht in gleicher Weise durch Oberflächenspannung und Benetzung begrenzt.
Daraus ergibt sich das physikalisch begründete Potenzial, auch schwer zugängliche Oberflächen, Hautfalten und kleine anatomische Vertiefungen zu erreichen. Ob daraus im konkreten Fall eine bessere antimikrobielle Wirkung resultiert, hängt von den jeweiligen Bedingungen ab und lässt sich nicht allein aus diesen Eigenschaften ableiten.
Natürlich hängt die tatsächliche Reichweite der reaktiven Spezies von ihrer Lebensdauer, Reaktivität und den Bedingungen im Gehörgang ab. Wir können deshalb nicht behaupten, dass jedes einzelne Bakterium erreicht wird.
Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Resistenzfrage. Die komplexen antimikrobiellen Wirkmechanismen von ColdPlasma unterscheiden sich grundlegend von denen klassischer Antibiotika. Inwieweit daraus ein geringeres Risiko für Resistenzentwicklungen resultiert, ist Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.
Für mich sind das überzeugende Gründe, eine solche physikalische Therapie frühzeitig in Betracht zu ziehen, anstatt reflexartig zu antimikrobiellen Arzneimitteln zu greifen.
Nicht blind, sondern fachkundig begleitet und auf Grundlage einer sorgfältigen Diagnostik.
Unser Ansatz: Physically first – pharmaceutical second
Bei AMAMUS Vet verfolgen wir deshalb ein einfaches dreistufiges Behandlungskonzept: Reinigen, ColdPlasma anwenden und lokal versorgen.
1. Reinigung mit RINSE
Zunächst wird der Gehörgang mit RINSE gereinigt und gespült, um Sekret, Beläge und Verunreinigungen mechanisch zu entfernen.
Dieser Schritt ist besonders wichtig, denn die reaktiven Spezies sollen möglichst mit den Mikroorganismen auf den betroffenen Oberflächen reagieren und sich nicht bereits in den vorhandenen Belägen und Verunreinigungen abreagieren.
Bei besonders stark verschmutzten Gehörgängen empfehlen wir gegebenenfalls eine vorherige intensive Reinigung, beispielsweise mit dem Ohrenshampoo Otoproof von ICF.
2. ColdPlasma-Anwendung mit ViroCap
Anschließend erfolgt die kontaktlose Behandlung mit ViroCap. Die reaktiven Spezies werden in den Gehörgang eingeleitet und können dort auf die vorhandenen Mikroorganismen einwirken.
Unser AMAMUS-Anwendungsprotokoll sieht hierfür eine Behandlungsdauer von etwa fünf Minuten vor. Die konkrete Anwendung richtet sich nach dem tierärztlichen Befund und den Vorgaben der Gebrauchsanweisung.
3. Lokale Pflege mit EARDROPS
Im Anschluss erfolgt die Pflege mit unseren EARDROPS.
Unser AMAMUS-Anwendungsprotokoll sieht zwei Behandlungen pro Woche in der Tierarztpraxis vor. Die Tierbesitzer unterstützen die Behandlung zu Hause durch die tägliche Anwendung von fünf bis zehn Tropfen EARDROPS, entsprechend der tierärztlichen Empfehlung und den Anwendungshinweisen.
Voraussetzung ist selbstverständlich eine fachkundige Untersuchung des Ohres, insbesondere die Beurteilung des Trommelfells und die Abklärung der zugrunde liegenden Erkrankung.
Das Ziel ist eine möglichst einfache und schonende lokale Behandlung, die die mikrobielle Belastung reduziert, die Abheilung unterstützt und den Einsatz antimikrobieller Arzneimittel dort vermeidet, wo dies medizinisch vertretbar ist.
Mein Fazit: Nicht die Allergie ist unser Ansatzpunkt, sondern ihre lokalen Folgen
ColdPlasma wird die allergische Grunderkrankung eines Hundes nicht beseitigen. Und natürlich kann es deshalb auch nicht verhindern, dass ein allergischer Hund erneut eine Otitis externa entwickelt.
Aber müssen wir deshalb bei jeder erneuten Ohrentzündung wieder auf Antibiotika oder Antimykotika zurückgreifen?
Ich meine: Nein.
Wir verfügen heute über eine physikalische Technologie, mit der wir lokal und ohne klassische antimikrobielle Wirkstoffe auf Bakterien und Hefepilze einwirken können.
Gerade im Ohr sehe ich einen besonderen Vorteil darin, dass wir reaktive Spezies gasförmig in einen anatomisch komplexen Hohlraum einbringen können. Das eröffnet Möglichkeiten, die sich grundlegend von der klassischen Anwendung flüssiger Arzneimittel unterscheiden.
Ob und in welchem Ausmaß sich daraus eine klinische Überlegenheit gegenüber etablierten Ohrmedikamenten ergibt, müssen vergleichende Untersuchungen zeigen. Die physikalischen Eigenschaften allein sind noch kein Beweis.
Dennoch sprechen das breite antimikrobielle Potenzial, die besondere Art der Applikation und unsere Erfahrungen aus der tierärztlichen Praxis dafür, ColdPlasma als lokale Therapieoption stärker in den Vordergrund zu stellen.
Antibiotika und Antimykotika bleiben wichtige und in vielen Situationen unverzichtbare Arzneimittel. Aber ihre Anwendung sollte nicht automatisch die erste Antwort auf jede lokale Infektion sein.
Unser Ziel ist nicht, Antibiotika und Antimykotika abzuschaffen. Unser Ziel ist, sie dort überflüssig zu machen, wo wir mit einer lokalen physikalischen Behandlung das gewünschte Therapieziel erreichen können.
Physically first – pharmaceutical second.
Local first – Rx second.