Ein Pferd, zwei Kolikoperationen – und eine Frage, die mich nicht loslässt
Warum mich dieser Fall aus der Praxis gleichzeitig begeistert und fassungslos macht.
Es gibt Fälle, die bleiben einem im Gedächtnis. Nicht unbedingt, weil die medizinischen Ergebnisse besonders spektakulär sind. Sondern weil sie grundsätzliche Fragen darüber aufwerfen, wie wir heute Medizin betreiben.
Der Fall eines vierjährigen Wallachs, der innerhalb relativ kurzer Zeit zweimal wegen einer Kolik operiert werden musste, gehört für mich dazu.
Und ich muss gestehen: Der Verlauf der zweiten Operation hat mich ziemlich perplex zurückgelassen.
Die erste Kolikoperation: Eine nahezu perfekte Wundheilung
Nach seiner ersten Kolikoperation verbrachte der Wallach eine Woche in der Tierklinik. Anschließend wurde die Versorgung seiner Operationsnaht im heimischen Stall übernommen.
Dabei kam unser AMAMUS Vet System mit coldPlasma zum Einsatz. Die Wunde wurde alle zwei Tage versorgt. Weitere Antibiotika waren nach der Entlassung nicht erforderlich.
Das Ergebnis war beeindruckend.
Nach nur zwei Wochen war die große Bauchnaht vollständig verheilt. Keine Infektion, keine Wundheilungsstörung, kein Auseinanderweichen der Naht.
Zurück blieb eine so feine Narbe, dass sie im Stall liebevoll den Namen „Bikininaht“ erhielt.
Natürlich lässt sich aus einem einzelnen Fall nicht ableiten, welchen Anteil coldPlasma an diesem Ergebnis hatte. Aber die Kombination aus konsequenter Wundpflege und lokaler Behandlung hatte offensichtlich hervorragend funktioniert.
Und genau diese Erfahrung sollte später noch eine wichtige Rolle spielen.
Die zweite Kolik: Eine schwierige Entscheidung
Der Wallach erlitt erneut eine Kolik. Wieder stand eine Operation im Raum.
Eine zweite Kolikoperation ist keine Kleinigkeit. Das Pferd war bereits voroperiert, und insbesondere die Belastbarkeit der Bauchwand und der bestehenden Narbe waren wichtige Gesichtspunkte.
Doch die erste Operationsnaht war hervorragend verheilt.
Nach Schilderung der Beteiligten war dieses Ergebnis ein Grund dafür, dass sowohl die Tierklinik als auch die Besitzerin einer erneuten Operation zuversichtlicher gegenüberstanden.
Die Besitzerin hatte erlebt, wie gut die Wundheilung beim ersten Mal verlaufen war. Sie vertraute auf die Möglichkeit, auch die zweite Operationswunde wieder entsprechend zu versorgen.
Die zweite Operation wurde durchgeführt.
Doch diesmal verlief die Heilung ganz anders.
Vier Wochen Klinik, eine MRSA-Infektion und eine problematische Wunde
Nach der zweiten Operation blieb der Wallach über einen Monat in der Tierklinik.
An der Operationsnaht entwickelte sich eine Infektion mit MRSA, einem methicillinresistenten Staphylococcus aureus.
Solche multiresistenten Erreger stellen die Medizin vor besondere Herausforderungen, weil zahlreiche übliche Antibiotika gegen sie nicht mehr wirksam sind.
Die Wunde zeigte zudem Zeichen einer gestörten Heilung, darunter überschießendes Granulationsgewebe, Wundsekret und Bereiche, in denen die Wundränder nicht vollständig geschlossen waren.
Zur Stabilisierung der Bauchwand musste das Pferd ein Korsett tragen, das zunächst nur für wenige Minuten abgenommen werden durfte.
Für die Besitzerin bedeutete dieser Verlauf eine enorme Belastung: emotional, organisatorisch und finanziell. Nach ihrer Schilderung entstanden Behandlungskosten im fünfstelligen Bereich.
Schließlich entschied sie sich, das Pferd aus der Klinik zu holen und die weitere Versorgung im Stall fortzusetzen.
Vier coldPlasma-Anwendungen innerhalb von acht Tagen
Nach der Entlassung wurde die Wundversorgung erneut übernommen.
Zum Einsatz kam das AMAMUS Vet System mit dem ViroCAP, ergänzt durch eine dem jeweiligen Wundzustand angepasste Reinigung, Wundauflagen und weitere lokale Versorgung.
Eine besondere Herausforderung war das Korsett: Die Zeit, in der die Operationsnaht zugänglich war, blieb stark begrenzt.
Hier erwies sich die kontaktlose Anwendung des ViroCAP als praktisch. Die Naht konnte innerhalb des verfügbaren Zeitfensters behandelt werden.
Innerhalb von acht Tagen erfolgten vier Behandlungen mit dem AMAMUS Vet Protokoll.
Bereits in diesem kurzen Zeitraum zeigte die Fotodokumentation eine deutliche Veränderung des Wundbildes.
Die Wunde war damit noch nicht vollständig verheilt. Aber die Entwicklung war ermutigend.
Nach etwa anderthalb Monaten war die Naht schließlich vollständig verschlossen. Laut Fallbericht zeigten sich auch in der Ultraschallkontrolle keine signifikanten Nahtdehiszenzen mehr.
Heute wird der Wallach wieder ganz normal geritten und sogar im Springsport eingesetzt.
Was mich an diesem Fall wirklich fassungslos macht
Und damit komme ich zu dem Punkt, der mich persönlich am meisten beschäftigt.
Wir haben hier dasselbe Pferd.
Bei der ersten Operation wurde die Wunde nach dem Klinikaufenthalt konsequent mit coldPlasma versorgt. Sie verheilte außergewöhnlich gut.
Dieses Ergebnis war bekannt. Es hatte sogar dazu beigetragen, Vertrauen in die zweite Operation zu schaffen.
Und trotzdem wurde coldPlasma nach der zweiten Operation in der Klinik offenbar nicht eingesetzt.
Warum?
Ich weiß es nicht.
Vielleicht gab es medizinische Gründe. Vielleicht war die Methode nicht in die klinischen Abläufe integriert. Vielleicht fehlte die Erfahrung mit dieser Form der Wundversorgung.
Was ich aber nicht nachvollziehen kann, ist, weshalb man eine bereits erfolgreich angewendete Methode nicht zumindest erneut in Betracht zieht.
Wenn eine Behandlung bei einem Patienten bereits hervorragend funktioniert hat, sollte das doch wenigstens Anlass sein, ihren erneuten Einsatz ernsthaft zu prüfen.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass coldPlasma die Infektion oder die Wundheilungsstörung bei der zweiten Operation sicher verhindert hätte.
Das können wir nicht wissen.
Die zweite Operation war eine andere Ausgangssituation, mit anderen Risiken und möglicherweise völlig anderen medizinischen Herausforderungen.
Aber gerade bei einem solchen Risikopatienten stellt sich für mich die Frage, ob wir wirklich alle sinnvollen Möglichkeiten ausschöpfen.
Auch führende Tierkliniken sollten offen für neue Behandlungsmöglichkeiten bleiben
Ich habe großen Respekt vor der Arbeit unserer Tierkliniken.
Was dort gerade bei komplizierten Kolikoperationen geleistet wird, ist beeindruckend. Ohne die chirurgische Kompetenz der behandelnden Tierärzte hätte dieser Wallach seine Erkrankungen möglicherweise nicht überlebt.
Aber chirurgische Spitzenmedizin und moderne Wundversorgung sind zwei unterschiedliche Bereiche, die zusammengehören.
Und ich glaube, dass wir gerade bei der lokalen Wundbehandlung noch enormes Potenzial haben.
ColdPlasma ist keine neue Erfindung. Die Technologie wird seit Jahren wissenschaftlich untersucht und in verschiedenen Bereichen der Human- und Veterinärmedizin eingesetzt.
Die antimikrobielle Wirkung ist gut beschrieben. Darüber hinaus gibt es experimentelle Hinweise auf positive Einflüsse auf zelluläre Prozesse, die für die Wundheilung wichtig sind.
Natürlich ist nicht jede dieser Erkenntnisse automatisch auf jedes Gerät, jede Wunde und jede Tierart übertragbar.
Aber müssen wir deshalb warten, bis für jede denkbare klinische Situation eine eigene randomisierte Studie vorliegt, bevor wir eine ergänzende lokale Behandlung überhaupt in Erwägung ziehen?
Ich finde: Nein.
Wir sollten wissenschaftliche Evidenz ernst nehmen. Genauso sollten wir aber auch dokumentierte klinische Erfahrungen ernst nehmen, kritisch prüfen und daraus lernen.
Medizinischer Fortschritt entsteht nicht dadurch, dass wir an bestehenden Routinen festhalten. Sondern dadurch, dass wir bereit sind, sie immer wieder zu hinterfragen.
Was dieser Fall über coldPlasma zeigt – und was nicht
Dieser Fall ist keine kontrollierte klinische Studie.
Wir können nicht beweisen, dass die erste Operationsnaht wegen coldPlasma so gut verheilt ist. Ebenso wenig können wir nachweisen, dass die Behandlung allein für die Verbesserung nach der zweiten Operation verantwortlich war.
Die Wundheilung ist ein komplexer biologischer Prozess, der von vielen Faktoren beeinflusst wird.
Was wir aber dokumentieren können, ist der tatsächliche Verlauf:
- Nach der ersten Operation heilte die Naht unter begleitender coldPlasma-Anwendung innerhalb von zwei Wochen komplikationslos.
- Nach der zweiten Operation kam es zu einer langwierigen Wundheilungsstörung mit nachgewiesener MRSA-Infektion.
- Nach der Entlassung aus der Klinik wurde die lokale Wundversorgung einschließlich coldPlasma wieder aufgenommen.
- Nach vier Anwendungen innerhalb von acht Tagen zeigte sich eine deutliche Verbesserung des Wundbildes.
- Nach rund anderthalb Monaten war die Wunde vollständig verschlossen.
Diese Beobachtungen sind keine Wirksamkeitsbeweise. Aber sie sind klinische Erfahrungen, die es verdienen, ernst genommen und weiter untersucht zu werden.
Mein Fazit: Offenheit ist eine Voraussetzung für Fortschritt
Was mich an diesem Fall begeistert, ist die Möglichkeit, mit einer vergleichsweise einfachen, lokalen Behandlung eine schwierige Wundversorgung zu begleiten.
Was mich nachdenklich macht, ist die Frage, warum solche Möglichkeiten nicht häufiger in bestehende Behandlungskonzepte integriert werden.
Wir sprechen in der Medizin ständig über Innovation, über Antibiotikaresistenzen und über die Notwendigkeit neuer Therapieansätze.
Aber Innovation muss auch dort ankommen, wo Patienten behandelt werden.
Für mich bedeutet moderne Medizin nicht, bewährte Verfahren durch neue Technologien zu ersetzen.
Es bedeutet, das Beste aus beiden Welten miteinander zu verbinden.
Chirurgische Kompetenz, sorgfältige Diagnostik, moderne Wundversorgung und die Bereitschaft, neue lokale Therapien einzubeziehen.
Genau dafür setzen wir uns mit AMAMUS Vet ein.
Und vielleicht ist das die wichtigste Frage, die dieser Fall aufwirft:
Wie viele Möglichkeiten lassen wir in der täglichen Medizin ungenutzt, nur weil sie noch nicht Teil unserer gewohnten Abläufe sind?
Hinweis: Dieser anonymisierte Einzelfall basiert auf der dokumentierten Wundversorgung und den Schilderungen der Beteiligten. Die Behandlungsergebnisse sind nicht als allgemeiner Wirksamkeitsnachweis für coldPlasma zu verstehen. Die Entscheidung über eine Therapie muss stets anhand der individuellen medizinischen Situation getroffen werden.
Originalaufnahmen zum Fallverlauf
Nach der zweiten Operation bei Entlassung aus der Klinik
Nach vier coldPlasma Anwendungen in acht Tagen
Nach rund anderthalb Monaten
Abschlussaufnahme der ersten Kolikoperation