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Journal

Was ich auf Reisen beobachte

Auf meinen Reisen und in Gesprächen mit Tierärzten aus unterschiedlichen Regionen fällt mir immer wieder auf, wie ähnlich die Beweggründe im Umgang mit Tieren sind. Natürlich gibt es andere Gewohnheiten und Rahmenbedingungen. Aber gerade im Kleintier- und Pferdebereich erlebe ich die Unterschiede zwischen den Ländern oft als kleiner, als man vielleicht erwartet.

Von Jan LangGeschäftsführer, AMAMUS Vet

Persönlicher Beitrag2 Min. Lesezeit

Die Liebe zum Tier verbindet

Wer ein Tier privat hält, tut das nach meiner Erfahrung in aller Regel aus Liebe zum Tier. Das erlebe ich hier genauso wie anderswo. Wenn ich zum Beispiel mit Menschen aus einer Kleintierklinik in Dubai spreche, sehe ich dieselbe Fürsorge und denselben Stellenwert des Tieres, den ich aus Deutschland kenne. Die Menschen wollen, dass ihrem Tier geholfen wird.

Auch von Tierärzten höre ich weltweit immer wieder denselben Grund für ihre Berufswahl: „Ich habe diesen Beruf gewählt, weil ich Tiere liebe.“ Diese gemeinsame Motivation prägt viele meiner Gespräche, unabhängig davon, aus welcher Region mein Gegenüber kommt.

Wirtschaftliche Interessen verändern die Abwägung

Im Pferdebereich kommen unterschiedliche Beweggründe zusammen. Da sind Menschen, die ihr Pferd vor allem als privaten Begleiter halten. Im Hochleistungssport spielen zusätzlich wirtschaftliche Interessen eine Rolle. Das bedeutet für mich nicht, dass die Menschen dort ihre Tiere nicht lieben. Aber es kommen weitere Erwartungen und wirtschaftlicher Druck hinzu. Dieser Konstellation begegne ich international immer wieder.

Noch deutlicher wird die wirtschaftliche Perspektive in der Nutztierhaltung. Ein Betrieb muss mit seinen Tieren Geld verdienen, etwa durch Milchproduktion oder die Aufzucht für die Schlachtung. Auch hier ähneln sich die Fragen, die mir gestellt werden, über Ländergrenzen hinweg.

Wenn es beispielsweise darum geht, mit einer Behandlung den Milchausfall zu reduzieren, führe ich mit einem Landwirt in Deutschland im Kern dieselbe Diskussion wie mit einem Landwirt in Vietnam: Was kostet die Behandlung? Welche Verluste lassen sich dadurch vermeiden? Welchen wirtschaftlichen Nutzen bringt sie für den Betrieb? Im Kleintierbereich steht für die Halter dagegen meist stärker die Frage im Vordergrund: Wie können wir meinem Tier besser helfen?

Beim Thema Antibiotika können wir dazulernen

Regionale Unterschiede erlebe ich durchaus beim Bewusstsein für einen geringeren Antibiotikaeinsatz. In Gesprächen mit Kollegen aus den nordischen Ländern oder den Niederlanden habe ich häufig den Eindruck, dass dieses Thema dort selbstverständlicher und weiter vorangeschritten ist als bei uns in Deutschland.

Hier habe ich in den vergangenen zehn Jahren teilweise erhebliche Gegenwehr erlebt: Antibiotika seien doch hervorragend, und die Tiermedizin sei für Resistenzen nicht verantwortlich. Solche Aussagen sind mir in Diskussionen begegnet. Deshalb würde ich keineswegs pauschal sagen, dass Deutschland bei diesem Thema weiter ist als andere Länder. Nach meiner Erfahrung können wir in manchen Regionen der Welt einiges dazulernen.

Was ich von meinen Reisen mitnehme, ist deshalb vor allem die Erfahrung, wie viel uns verbindet. Viele Fragen und Interessen sind weltweit ähnlich. Und wenn wir offen zuhören, entdecken wir auch, wo andere bereits einen Schritt weiter sind.